Künstlerische Leiter

Helmut Klotz | Werner Sander

Ludwig Böhme
Künstlerischer Leiter seit 2012

Ludwig Böhme (* 1979) liebt Vokalmusik – und ist als Spezialist ein Allrounder: Sänger, Dirigent, Dozent und Arrangeur.

Als Thomaner lernte er schon als Kind die geistliche Musik Bachs und vieler anderer Komponisten kennen. Nach dem Abitur studierte er Chordirigieren an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig (Konzertexamen 2007) bei Thomaskantor Georg Christoph Biller und war bis 2002 dessen Assistent.

Sänger. 1999 gründete Ludwig Böhme mit anderen ehemaligen Thomanern das Calmus Ensemble. Bis heute ist er der Bariton des Quintetts, das inzwischen zu den führenden Vokalgruppen unserer Zeit zählt und mit großer stilistischer Vielfalt weltweit Erfolge feiert.

Dirigent. Seit 2002 leitet er den Kammerchor Josquin des Préz, ein semiprofessionelles Ensemble, spezialisiert auf Alte Musik, aber ebenso offen für andere Epochen – a cappella wie chorsinfonisch. Böhme ist Leiter und Initiator der Konzertreihe „Josquin – Das Projekt”, der weltweit ersten Gesamtaufführung des josquinschen Werkes, die 2004 in der Leipziger Thomaskirche begann und 2017 ihr Finale feiern wird.
Im April 2012 übernahm Böhme die künstlerische Leitung des Leipziger Synagogalchores. Das Repertoire dieses 1962 gegründeten Konzertchores konzentriert sich auf die während der Nazizeit fast gänzlich zerstörte synagogale und jiddische Musik. Damit ist der Leipziger Synagogalchor heute auch als Kulturbotschafter politisch profiliert und wird im In- und Ausland zu Konzerten eingeladen.

Dozent. Ludwig Böhme unterrichtete Dirigieren an den Musikhochschulen in Leipzig und Halle/Saale, er gibt regelmäßig Workshops und Meisterkurse für Chöre und Ensembles (u.a. Stimmen Festival Lörrach, Bachwoche Stuttgart), er leitet Chorprojekte (wie den 2015 von MDR und Leipziger Messe initiierten „Buchmessechor“) und ist Juror bei Wettbewerben.

Arrangeur. Unzählige Arrangements hat Ludwig Böhme für Calmus sowie andere Chöre und Ensembles geschrieben – klassisch, modern, jazzig, poppig. Viele sind im Carus-Verlag publiziert und auf CD erschienen.

Spezialist. Die Qualität seines sängerischen und dirigentischen Schaffens belegen nicht nur regelmäßige Rundfunk- und Fernsehproduktionen, sondern auch Preise bei allen Wettbewerben, bei denen er antrat: in Deutschland (erstmals beim Deutschen Musikwettbewerb 2002, zuletzt beim Deutschen Chorwettbewerb 2010), Belgien (2003), Spanien (2005), Finnland (2005) und den USA (2009). Auch etliche der mittlerweile über 20 CD-Produktionen wurden prämiert (Supersonic- und CARA-Awards). 2009 gewann Calmus einen ECHO Klassik.

Allrounder. Immer wieder kommt es zu Projekten mit anderen Künstlern, z. B. mit Elke Heidenreich, Bruno Ganz, der HR Bigband, dem MDR Sinfonieorchester, der Lautten Compagney oder Wenzel & Band. Konzerte gab Ludwig Böhme bei den großen deutschen Festivals von Nord (Schleswig-Holstein Musik Festival) bis Süd (Musikfest Stuttgart). In Europa von Ost (Estland) bis West (Spanien). In Südamerika und regelmäßig in den USA – inklusive Carnegie Hall, Lincoln Center und Met-Museum. Wie viele? Mittlerweile über 1000.

Kammersänger Helmut Klotz
Künstlerischer Leiter von 1972 bis 2012

Helmut Klotz wurde 1935 in Oederan geboren. Schon als Kind lernte er Violine, Klavier und Klarinette. Ab 1950 studierte er Cello, Klavier und Gesang an der Dresdner Musikakademie und von 1954 bis 1960 Cello und Gesang an der Hochschule für Musik Dresden bei Karl Grosch und Helga Fischer. 1958/59 war Helmut Klotz Cellist in der Dresdner Staatskapelle.

1961 wurde Helmut Klotz als lyrischer und Charaktertenor an die Oper Leipzig engagiert. Als festes Ensemblemitglied bis 2000 und als Gast bis 2003 gestaltete er über 110 Partien in mehr als 2.750 Vorstellungen in Leipzig sowie bei nationalen und internationalen Gastspielen. Hinzu kommt eine umfangreiche Tätigkeit als Konzertsänger, vor allem als Evangelist in den Bach-Oratorien in zahlreichen Aufführungen mit dem Thomanerchor Leipzig und dem Dresdner Kreuzchor. 1985 erhielt Helmut Klotz den Titel Kammersänger. Seit 2000 ist er Ehrenmitglied der Oper Leipzig.

Von 1972 bis 2012 war Helmut Klotz künstlerischer Leiter und Vorsänger des Leipziger Synagogalchores, dem er  zuvor bereits als Tenorsolist verbunden war. Unter seiner Leitung profilierte sich der Chor zu einem Ensemble von internationalem Rang.

Für seine künstlerische und kulturpolitische Arbeit mit dem Leipziger Synagogalchor wurde Helmut Klotz u. a. mit dem Kunstpreis der DDR (1981), der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig (1998), dem Verdienstorden des Freistaates Sachsen (1998) und dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2005) geehrt. Gemeinsam mit dem Leipziger Synagogalchor erhielt er 1988 den Stern der Völkerfreundschaft in Gold.

Die Eintragung in das Goldene Buch des Keren Kayemeth LeIsrael, des Jüdischen Nationalfonds, im Jahr 2007 würdigte seine Verdienste im Sinne der Völkerverständigung. Im Rahmen der Konzertreise des Leipziger Synagogalchores im Herbst 2011 nach Polen wurde Helmut Klotz der Orden Honoris Gratia der Stadt Kraków für sein Engagement um die deutsch-polnischen Beziehungen verliehen.

Werner Sander