“Jewish Miniature” about Werner Sander

New publication!
115 years ago, Oberkantor Werner Sander, the founder of the Leipziger Synagogalchor, was born, 45 years ago he died.
The musicologist Tina Frühauf Ph. D. (New York) has explored the history of his life and work:
In October 2017 the volume 213 of the “Jewish Miniatures”, dedicated to Werner Sander, will be published by Hentrich & Hentrich, edited by the Louis Lewandowski Festival, in German and English language.
The publication will also shed light on the first ten years of choir history (1962-1972).

Tina Frühauf: Werner Sander
“to finally fortify peace”. A Vital Exponent of Jewish Music in the GDR
80 pages, softcover, 20 illustrations
ISBN: 978-3-95565-238-8, 8.90 €

Aus goldenen Ländern. CD und Konzert des Leipziger Synagogalchors

“Lidl fun goldenem land” hat Ludwig Böhmes Leipziger Synagogalchor seine neue CD genannt … Und es ist groß, dieses goldene Land, so groß wie unsere Vorstellungskraft, so groß wie die kleinen Lieder, die es hier besingen. … Sie handeln von der Poesie. Sie tun es mal melancholisch, mal naseweis, mal ausgelassen, manchmal auch verzweifelt. Sie tun es in wunderbaren Melodien, die von ferne noch immer vertraut scheinen, und in erstklassigen Arrangements von Ludwig Böhme, Fredo Jung, Werner Sander und anderen. Sie sind ein Schatz, diese 14 Lieder vom goldenen Land, sinnlich und farbig gesungen vom Synagogalchor und den Solisten …, mal quirlig, mal schwelgerisch, mal verträumt begleitet … Und sie sind Vermächtnis – weil die Welt nicht mehr ist, in der diese goldenen Länder erträumt wurden. … Um so lauterer und musikalisch überzeugender ist der musikalische Ansatz Ludwig Böhmes: Er lässt die Lidln fun goldenem land aus sich selbst heraus wirken, lässt ihnen ihren Witz und ihren Charme, ihre Zartheit und ihren Optimismus, ihre Zärtlichkeit und ihre Schönheit. Die Tragik mengt sich erst beim Hören darunter – weil diese wundersam schöne Musik ganz von alleine ins Herz findet …” (Peter Korfmacher, Leipziger Volkszeitung, 16.12.2016)

Obermayer German Jewish History Award

On January 23, 2017, we received the Distinguished Service Award of the Obermayer German Jewish History Awards at the Berliner Abgeordnetenhaus in recognition of our decade-long work for Jewish music.
http://obermayer.us/award/2017/2017.htm
Verleihung des Obermayer German Jewish History Awards

Out now: Our new CD

Now it has been released, the CD of the program “Lidl fun goldenem land – Yiddish songs in new arrangements”, published by the label querstand at Verlagsgruppe Kamprad.
lidl-fun-goldenem-land-2016With support from the Ernst Schering Foundation Berlin twelve new arrangements of Yiddish songs have emerged for the concert stage. Internationally renowned arrangers have been inspired by the melodies and created complex, colorful and innovative arrangements, offering an impressive variety, which brings to life the melodic and emotional richness of the Yiddish songs in a contemporary and creative way. In addition to these new arrangements by Matthias Becker, Ludwig Boehme, Reiko Fueting, Juan Garcia, Walter Thomas Heyn, Fredo Jung and Philip Lawson, the CD contains two reminiscences of the choir’s arrangements of the 60’s and 80’s by Werner Sander and Friedbert Gross.

Track list and audio clips
€ 18,00 plus shipping costs
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Leipziger Synagogalchor bietet in Haller Michaelskirche Musikgenuss

Psalmvertonungen, Musik für den jüdischen Gottesdienst und jiddische Lieder: Der Leipziger Synagogalchor gibt bei einem Konzert in der Michaelskirche in Schwäbisch Hall Einblicke in die jüdische Vokalmusik.
Auf der Empore beginnen die etwa 30 Sänger des Leipziger Synagogalchores ihr mit “Töne des Lebens” betiteltes Konzert. Der Chor stimmt Synagogengesänge an, die an manchen Stellen von Clemens Posselt auf der Orgel begleitet werden. Chorleiter ist Ludwig Böhme, der vor allem als Mitglied des Calmus-Vokal-Ensembles bekannt ist.
Heinrich Schalits “Ma towu” zeichnet sich durch hymnische Klänge aus. “Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen Israel”, so die Übersetzung des hebräischen Textbeginns, erklingt kraftvoll. Das Altsolo von Susanne Langner Continue reading

Kastagnetten-Dämon

“Der Dybbuk” kreuzt Totentanz mit Flamenco

Der Dybbuk geht um, dreht euch nicht um: Bei der vergangenen Euro-Szene zeigte Anna Natt ihre in Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig entstandene Heimsuchung als Nosferata mit Kastagnetten. … Die schräge Idee hat zu einem spannenden Hybriden geführt, auch, weil es die meiste Zeit um Flamenco gar nicht geht. Im Zentrum steht zunächst die Musik: Der Leipziger Synagogalchor erfüllte die ausgediente Industriehalle der Residenz mit vielstimmiger jiddischer Folklore. Wie Beschwörungen wirkt der unter die Haut gehende Gesang und vorn auf der Bühne erliegt ein Körper diesen Einflüsterungen. Erst starr steht Anna Natt im weißen Kleid da. Dann öffnet sich zunächst der Mund, langsam tasten sich die Hände durchs Gesicht, dann wird der ganze Körper in Fingerschein genommen. Der Leib erwacht zum Leben. So nimmt der Geist allmählich vom fremden Körper Besitz, entdeckt auf dem Boden hockend sein Rhythmusgefühl und tritt schließlich mit dem Chor in musikalisch-tänzerische Korrespondenz. Dezent nur flammt hier Flamenco auf, vieles ist nur gestisches Zitat und diese Geisterstunde kann ihre gespenstische Aura afs Intensivste aufrechterhalten. (Kreuzer Leipzig, Juli 2015, Tobias Prüwer)

Kraftvoller Gesamtklang

“Klänge aus Leipzigs Tempel” mit dem Synagogalchor und dem Kammerchor Josquin des Préz

… Die Programmankündigung für ein “Synagogenkonzert zum Besten der Wohlfahrtspflege innerhalb der Israelitischen Religionsgemeinde” am 14. März 1926, vormittags 11 Uhr … diente … als Vorlage für eine Rekonstruktion, die … unter der Leitung von Ludwig Böhme … in der sehr gut gefüllten Thomaskirche zu erleben war. … So wunderbar wie das ganze Konzert sind auch die Interpreten: Der großartige Geiger Henrik Hochschild und der einfühlsame Organist Ulrich Vogel tragen zu dem eindrucksvollen Abend ebenso bei wie die Sopranistin Anja Pöche und die Altistin Susanne Langner, die ihre Parts innig füllen und mit großen Stimmen gestalten.
Die beiden Vokalensembles offenbaren schon in Rossis Motetten … ihre Stärken: Stilsichere Wandlungsfähigkeit zeichnet den Kammerchor Josquin des Préz aus, der filigran gewebte oder breit gestrichene Klänge aus dem Altarraum in das Gotteshaus schickt, während der Leipziger Synagogalchor von dort einen nuancenreich gearbeiteten, kraftvollen Gesamtklang strahlen lässt. Und wenn sich beide Ensembles wie in Lewandowskis “Ma towu” mit dem Kantor Amnon Seelig auf der Chorempore vereinen, dann sind Innehalten, Genuss und Verzückung ganz nah beieinander im Publikum.
Eine wunderbare Entdeckung ist auch die klangprächtige, facettenreiche Psalm-Vertonung “Tauw l’haudauß” für Kantor, Chor und Orgel von Samuel Lampel. Da ist es besonders erfreulich, dass der zugegeben Segen nach dem lang anhaltenden, begeisterten Schlussbeifall ebenfalls aus der Feder des damaligen “Tempel”-Kantors Lampel stammt. … (LVZ, 9. März 2015, Birgit Hendrich)

 

Mitten ins Herz

“Soll mein Sorgen ewig dauern …?” Wieder und wieder unterbricht Ludwig Böhme den Gesang. “Die Tenöre können bisschen leiser starten. Weich reinkommen”, sagt der Chorleiter, um wenig später zu betonen: “Das ist die lauteste Stelle. Sopran, Bass, Alt müssen parallel erklingen. Gemeinsame Atmung macht gemeinsamen Einsatz!” Geduldig erklärt der 35-Jährige, was er hören will. Dann gibt der Ex-Thomaner, Sänger und Dirigent selbst ein paar Klänge zum Besten, begleitet am Klavier. Als dann alle Stimmen hauchen “… nimmermehr”, lobt er begeistert: “Geiler Klang!”
Der Synagogalchor Leipzig probt im Ariowitschhaus – an diesem Abend mit dem Kammerchor Josquin des Préz für das Konzert “Klänge aus Leipzigs Tempel” am 7. März in der Thomaskirche. … “Jetzt bin ich mir sicher, dass das Konzert die Leute glücklich macht!”.
Ja, der Synagogalchor singt sich mitten ins Herz. Wer ihn hört, ist berührt, bewegt. Dieses Mysterium vermögen selbst die 30 Sängerinnen und Sänger nicht zu erklären. Vielelicht sind es die fremden, unverständlichen Worte, die sie selbst erst in Umschrift vom Notenblatt lesen. Vielleicht sind es die Rhythmen, die Liebe und Leid, Trauer und Freude vermitteln. Vielleicht ist es aber auch das Anliegen der Choristen schlechthin: “Wir sind ein Ensemble nichtjüdischer Menschen, das das jüdische Erbe, das ausgelöscht werden sollte, pflegen und verbreiten wollen”, sagt Reinhard Riedel. … (LVZ, 4. März 2015, Cornelia Lachmann)

Jiddische Geisterstunde mit Flamenco

Der Dybbuk ist in der jüdischen Kultur eine Art Totengeist, der von lebenden Besitz ergreifen kann. Eine solche Erscheinung beschwört die Berliner Flamenco-Künstlerin Anna Natt in ihrer Performance “Der Dybbuk or Dolores it’s time to hang up the Castanets” herauf, die am Mittwoch im Rahmen der euro-scene Premiere im Residenzprogramm des Leipziger Schauspiels hatte.
Geist und Körper, Tanz und Bewegung, wo beginnt das alles? Anna Natt … setzt gleichzeitig auf Minimalismus und Opulenz und gräbt dabei in zwei Schätzen der Volkskunde: dem Flamenco und dem Jiddischen. Sie steht im weißen Kleid auf der Bühne, langsam, sehr langsam öffnet sich der Mund und die Hände beginnen mit der Entdeckung des Körpers … Der Impuls kommt von außen, die Hände arbeiten sich voran, getrennt vom Willen, doch der Biomechanik folgend. … Gegen Ende wandelt sie als besessene Geist-Tänzerin in den Tiefen des Raumes …
Zu all dem singt der Leipziger Synagogalchor, der vom hinteren Teil der Residenz-Bühne, lediglich am Klavier und einmal von einer Violine begleitet, genau jenen Resonanzraum schafft, der Natts Performance auffängt und verortet. Die jiddischen Lieder mit ihrem klar durchklingenden Volksliedcharakter, aber zugleich vierstimmigen Arrangements und Soli von Anja Pöche und Falk Hoffmann, schaffen die Erinnerung an den Ritus, der Natts Treiben innewohnt.
Zunächst agieren beide Kunstformen in stoischer Unverbundenheit doch gleichzeitig in ständigem Dialog, und im fulminanten Ende, wenn ein Paar Kastagnetten von der Decke schweben, schaffen sie eine ungedachte Fusion von jiddischem Flamenco. Ein fulminanter Abend, der Grenzen in viele Richtungen überschreitet, ohne sich zu verlieren, sondern darin etwas Neues und Aufregendes schafft. (LVZ, 7. November 2014, Torsten Ibs)