Leipziger Synagogalchor bietet in Haller Michaelskirche Musikgenuss

Psalmvertonungen, Musik für den jüdischen Gottesdienst und jiddische Lieder: Der Leipziger Synagogalchor gibt bei einem Konzert in der Michaelskirche in Schwäbisch Hall Einblicke in die jüdische Vokalmusik.
Auf der Empore beginnen die etwa 30 Sänger des Leipziger Synagogalchores ihr mit “Töne des Lebens” betiteltes Konzert. Der Chor stimmt Synagogengesänge an, die an manchen Stellen von Clemens Posselt auf der Orgel begleitet werden. Chorleiter ist Ludwig Böhme, der vor allem als Mitglied des Calmus-Vokal-Ensembles bekannt ist.
Heinrich Schalits “Ma towu” zeichnet sich durch hymnische Klänge aus. “Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen Israel”, so die Übersetzung des hebräischen Textbeginns, erklingt kraftvoll. Das Altsolo von Susanne Langner mit “Herr, ich liebe die Stätte deines Tempels” steht dem gegenüber: es ist zurückhaltend intoniert.
Zusammen mit Tenor Falk Hoffmann – beide auf den Seitenemporen postiert – und dem Chor vor der Orgel sorgt sie danach für Raumeffekte bei Johann Rittangels “Ki lo na’eh” aus der “Haggada”, eine Gott lobpreisende Litanei rund um das Pessachfest.
Mit großer Intensität lässt der Chor a cappella Salomone Rossis “Lamnazeach al hagiti” aus den Davidpsalmen folgen. Das Ineinandergreifen der Stimmen wird durch einen klar durchhörbaren Chorklang zum musikalischen Genuss, wie auch danach in Salomon Sulzers “Adon olom” – Herr der Welt – mit Falk Hoffmann als Vorsänger. Als ruhig gehaltener Kontrast erscheint Samuel Lampels “W’schom’ru” (Die Kinder Israel), gefolgt von empfundenem Klangschwelgen in seinem “Tauw l’haudaus”.
Für den weltlichen Konzertteil mit jiddischen Liedern wechselt der Chor dann von der Empore auf den Raum vor dem Altar, und Clemens Posselt wechselt von der Orgel zum Klavier, unterstützt durch das Violinspiel Reinhard Riedels. Beschwingt wird der zweite Teil mit Mordechaj Gebirtigs “Huljet, huljet, kinderlech” eröffnet. Gebirtigs “Dos lidl fun goldenem land” lässt der Chor zu einer wundervoll melancholischen Erinnerung an die Kindheit werden. Michl Gordons “Di maschke” bietet Tenor Falk Hoffmann die Möglichkeit, sich auch darstellerisch zu entfalten. Dem jammernden Ton des Lobgesangs auf den Schnaps hält der Chor einen beschwingten Refrain entgegen. Hoffmann mimt den immer betrunkener werdenden Gesangssolisten. Zum Dank für den lang anhaltenden Beifall singt der Chor zusammen mit Susanne Langner noch Felix Mendelssohns “Lass, oh Herr, mich Hilfe finden”. (Haller Tagblatt, 28. Oktober 2015, Ralf Snurawa)

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