Kastagnetten-Dämon

“Der Dybbuk” kreuzt Totentanz mit Flamenco

Der Dybbuk geht um, dreht euch nicht um: Bei der vergangenen Euro-Szene zeigte Anna Natt ihre in Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig entstandene Heimsuchung als Nosferata mit Kastagnetten. … Die schräge Idee hat zu einem spannenden Hybriden geführt, auch, weil es die meiste Zeit um Flamenco gar nicht geht. Im Zentrum steht zunächst die Musik: Der Leipziger Synagogalchor erfüllte die ausgediente Industriehalle der Residenz mit vielstimmiger jiddischer Folklore. Wie Beschwörungen wirkt der unter die Haut gehende Gesang und vorn auf der Bühne erliegt ein Körper diesen Einflüsterungen. Erst starr steht Anna Natt im weißen Kleid da. Dann öffnet sich zunächst der Mund, langsam tasten sich die Hände durchs Gesicht, dann wird der ganze Körper in Fingerschein genommen. Der Leib erwacht zum Leben. So nimmt der Geist allmählich vom fremden Körper Besitz, entdeckt auf dem Boden hockend sein Rhythmusgefühl und tritt schließlich mit dem Chor in musikalisch-tänzerische Korrespondenz. Dezent nur flammt hier Flamenco auf, vieles ist nur gestisches Zitat und diese Geisterstunde kann ihre gespenstische Aura afs Intensivste aufrechterhalten. (Kreuzer Leipzig, Juli 2015, Tobias Prüwer)

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