16. September 2013 “Spuren in der Stadt”

Zum Wandelkonzert der Leipziger Notenspur-Initiative auf den Spuren jüdischer Musikkultur in Leipzig:

Wegen des Regens sang der Leipziger Synagogalchor nicht an der Gedenkstätte, sondern in der Thomaskirche, was mir zunächst seltsam erschien. Aber Griseldis Wenner, die ganz wunderbar durch alle Programmpunkte führte, beruhigte mich und andere Zweifler, dass das auch früher nicht unüblich gewesen sei. Die Thomaner hätten manchmal, wenn es dem Synagogalchor an Stimmen gefehlt hätte, sogar ausgeholfen. Drüben, in der Großen Synagoge, die da bis 1938 stand, bis zur Nacht des 9. November. Das es jüdische sakrale Gesänge gibt, dürfte ja nun kein Geheimnis sein. Das es auch Chöre und sogar Orgeln in Synagogen gab, war mir völlig neu. Ich kannte bis dahin nur den Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gemeinde.  Allerdings waren (seit dem 19. Jahrhundert)  diese Art Chöre wohl nur in Deutschland und Mitteleuropa anzufinden. Diese Tradition fand mit der Machtergreifung der Nazis ein jähes Ende und spielt wohl auch heute keine Rolle mehr. Der Leipziger Synagogalchor nun, es gibt ihn, erfahre ich verblüfft, schon seit 50 Jahren, bewahrt und pflegt die Tradition, hält die Erinnerung an Komponisten wie Samuel Lampel, Samuel Naumbourg oder Louis Lewandowski wach und singt auch noch in der Art Hebräisch, wie es früher in Deutschen Synagogen gesprochen wurde. Und die Musik? Ich bin hin und weg. Es ist ..  gewaltig, beeindruckend, berührend. Der Tenor ist großartig. Ehrfürchtig lauschen wir den Gesängen und trauen uns tatsächlich erst zu klatschen, als die Moderatorin dazu auffordert.

Aus dem Blog von Gertje Edelmann, http://inchtomania.wordpress.com/2013/09/16/spuren-in-der-stadt/

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