22. September 2009 “Emotional bewegendes Erlebnis”

Leipziger Synagogalchor gibt Konzert im Festsaal des Altenburger Schlosses

Altenburg. Neben dem umfangreichen regelmäßigen kulturellen Angebot der städtischen Einrichtungen, der Kirchen und der Vereine in Altenburg gibt es jährlich immer einige kulturelle Höhepunkte, die man nicht verpassen sollte, weil sie einmalig sind. Dazu gehört auch sicher das Konzert des Leipziger Synagogalchores am Sonntagspätnachmittag im Festsaal des Schlosses.Der Freundeskreis Goethe und der Altenburger Schlossverein hatten diesen weltweit gefeierten Chor für ein Konzert gewinnen können. Und es wurde, das darf man ohne Übertreibung sagen, für alle, die neugierig auf diesen Chor waren, ein künstlerisch und auch emotional zutiefst bewegendes erlebnis. Dieser 1962 in Leipzig gegründete Chor, der seit 1972 von Kammersänger Helmut Klotz geleitet wird, widmet sich ganz der Pflege der jüdischen synagogalen Musik sowie der jiddischen und hebräischen Folklore als besonders wertvoller Bestandteil des kulturellen Erbes der europäischen Juden. Darin liegt das Besondere des Chores.
Der aus rund zwei Dutzend ausschließlich nicht jüdischen stimmlich gut trainierten Sängerinnen und Sängern bestehende gemischte Chor hat sich auf Konzertreisen vor allem in Europa und auch außerhalb in Nord- und Südamerika, in Israel und Südafrika einen Namen gemacht und wurde so zu einemChor von internationalem Rang. Helmut Klotz ist nicht nur ein bekannter Sänger, sondern auch ein herausragender Chorerzieher und hat dieses Ensemble in bester Leipziger Chortradition entwickelt.
Das am Sonntag im Festsaal zu hörende Programm brachte im ersten überwiegend ruhigen und andächtigen Teil synagogale Gesänge in hebräischer Sprache. Diese an Zisch- und Reibelauten reiche Sprache ist für uns schwierig zu sprechen und ungewohnt zu hören. Um so höher muss man die Leistungen der Chormitglieder würdigen, die sich darin ein umfangeiches Repertoire angeeignet haben. Die geistlichen Gesänge umfassen Bibelzitate, Vertonungen von Psalmen und Gebeten, die im Wechsel zwischen Vorsänger/in und Chor vorgetragen werden. Darin liegt ein besonderer musikalischer Reiz, zumal, wenn solche hervorragenden Sängerinnen und Sänger wie Kathleen Glose (Alt) und Egebert Junghanns (Bariton) zum Einsatz kommen. Die Krönungdieser solistischen Wechselgesänge ist aber, wenn der Chorleiter Helmut Klotz ganz in der Tradition der jüdischen Kantoren aus dem Dirigat heraus die Soli gibt, wenn mit souveräner Klarheit sich seine Stimme über den Chorgesang in tenorale Höhen erhebt.
Egbert Junghanns glänzte mit starker wohlklingender Stimme und führte mit dem Eröffnungslied “Ma tauwu” das Publikum ein in die musikalische Klangwelt der Synagoge. Mit schöner klarer reiner Altstimme gestaltete Kathleen Glose ihre Partien. Im letzten Lied des ersten Teiles vereinten sich Tenor und Bariton als harmonierende Vorsänger mit dem Chor. Dabei wurde ein volltönender wuchtiger Klang ähnlich eines Bachschen Oratorienchorals erreicht. Am Flügel begleitete durchgängig Clemens Posselt technisch versiert und stilsicher.
Höhere Anforderungen an Rhythmuswechsel und Akzentuierung verlangte von ihm der zweite Programmteil mit jiddischer und hebräischer Folklore. Dann entführte der Chor das Publikum in die versunkene Welt des osteuropäischen jüdischen Lebens. Ob beim Klagelied, ob beim Scherz- oder Liebeslied, der Chor faszinierte auch hier durch Präzision und differenzierte Gestaltung. Das Publikum applaudierte begeistert und erreichte eine stimmungsvolle Zugabe. Schade, dass es nicht das bekannte “Hava nagila” war. Johann Gottfried Herder beschrieb in seinem Werk “Stimmen der Völker in seinen Liedern”, dass man die Seele der Völker in ihren Liedern findet.
So auch die Seele des jüdischen in den hier vorgetragenen, und man merkt, dass die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen überall sehr ähnlich sind. Musik und Kunst haben zwar nie ausgereicht, um die Beziehungen zwischen den Religionen zu verbessen – auch heute nicht. Doch sie können den Grund legen für Verständnis und Sympathie. Nichts anderes wollte dieses Konzert erreichen.

Manfred Hainich, LVZ – Osterländer Volkszeitung

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