12. Mai 2004 “Ein Weltklasse-Ereignis”

Der Robert-Schumann-Verein Kreischa lud am Muttertag zu einem außergewöhnlichen Konzert in die Kirche des Ortes ein. Man wollte damit die Festwoche zum zehnjährigen Bestehen der Bavaria-Klink eröffnen.Angekündigt war der Leipziger Synagogal-Chor unter der Leitung von Kammersänger Helmut Klotz. Dieses Konzert war – und das darf man ohne Übertreibung sagen – für diejenigen, die es hören durften, ein zutiefst bewegendes Erlebnis.
Der 1962 gegründete und seit 1972 von Helmut Klotz geleitete Chor stellt sich der Aufgabe, synagogale Musik des 19. und 20. Jahrhunderts sowie jiddische und hebräische Folklore als besonders wertvollen Bestandteil des jiddisch-kulturellen Erbes zu pflegen. Der aus rund zwei Dutzend ausschließlich nicht jüdischen Sängern bestehende gemischte Chor kommt aus den unterschiedlichsten Berufen und hat sich auf Konzertreisen durch Europa einen Namen professionellen Formats gemacht.
Wir hörten ein zweiteiliges Program, vor der Pause zunächst Synagogenmusik in hebräischer Sprache. An der Orgel begleitet von Clemens Posselt (Solorepetitor des Opernhauses Leipzig) erklangen verschiedenste liturgische Gesänge wie Psalmen, Huldigungs- und Wechselgesänge für Solostimmen und Chor, die faszinierend gestalten wurden.
Helmut Klotz ist nicht nur Erzmusikant, er ist auch herausragender Chorerzieher und hat sein Ensemble am kleinen Finger, singt selbst als Kantor die Tenor-Soli und wartete mit zwei weiteren Solisten von Weltklasse-Niveau auf: Ulrike Helzel (Alt) vom Deutschen Opernhaus Berlin und Egbert Junghans (Bariton), der den Dresdnern von vielen Auftritten her ein Begriff ist. Diese Stimmen packten uns durch ihre Schönheit, ihr technisches Können und ihre Aussagekraft. Herrlichste Musik, teils opernhaft anmutend, wurde zu einem Ohrenschmaus. Welch eine Dynamik, welch eine Klangfülle!
Nach der Pause, am elektronischen Klavier von Clemens Posselt grandios begleitet, servierte das Ensemble köstlichste Folklore, zum Teil auf jiddisch. Klotz dirigierte mit Engagement, mit exzellenten Impulsen, Ulrike Helzel zeichnete mit ihrer Stimme, die alles kann, jedes Gefühl der in Töne umgesetzten Worte. Sie und Egbert Junghans mit seinem prachtvollen Organ wollten am liebsten die einzelnen Stücke spielerisch darstellen. Es war für uns Zuhörer einfach begeisternd. Als Ausklang ein zauberhaftes Lied von einem fröhlichen Rabbi, der nach dem Gottesdienst lustig aufspielen lässt, bis er Kopfweh bekommt. Stürmische Ovationen erbrachten eine stimmungsvolle a capella-Zugabe.

Von Heinz Weber (Sächsische Zeitung)

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