18. April 2002 “Ein Gebet für den Frieden…”

Leipziger Synagogalchor intonierte religiöse Gesänge sowie jiddische und hebräische Folklore

aww Siegen/Bad Laasphe. Ein Gebet und ein Lied für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern, ein Gebet und ein Lied gegen den Terror – so wollte Manfred Zabel das Konzert des Leipziger Synagogalchors gerne verstanden wissen. Der Beisitzer im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland begrüßte am Freitagabend die rund 200 Besucher/innen in der Siegener Martinikirche und rief zu einem Augenblick des Schweigens zum Gedenken an die Todesopfer des Amoklaufs von Erfurt auf.

Die “Christlich-Jüdische” hatte das Leipziger Ensmble zu drei Konzerten in der hiesigen Region eingeladen (die SZ berichtete ausführlich); neben Siegen standen am Samstag Dillenburg und gestern Bad Laasphe im Terminkalender des 21-köpfigen Chores.

Synagogale Gesänge – für von abendländischen Hörerfahrungen geprägte Ohren zuweilen ein wenig ungewohnt, aber immer sehr harmonische klingend – intonierten die Leipziger Vokalisten unter der Leitung von Kammersänger Helmut Klotz in der Siegener Martinikirche im ersten, überwiegend ruhigen und andächtigen Konzertteil. Organist Ulrich Vogel sorgte für eine angenehm zurückhaltende, unaufdringliche, aber den Gesang sehr schön tragende Begleitung der hebräischsprachigen religiösen Werke, die oft im Wechselgesang von Chor und Vorsänger vorgetragen wurden. Neben Klotz, der nicht nur sehr akzentuiert und engagiert dirigiert, sondern auch als Tenorsolist fungierte, komplettierten Marita Posselt (Sopran) und Rolf Haunstein (Bariton) die Solisten-Riege.

Die war freilich hochklassig besetzt. So glänzte Haunstein mit voluminöser, wohlklingender Stimme etwa beim einleitenden Huldigungsgesang “Ma tauwu”. Kraftvoll und flexibel erklang sein Bariton im reich verzierten Solo von “Omar Rabbi Elosor”. Mit klarer reiner Stimme gefiel Marita Posselt bei dem freudenvollen, facettenreich arrangierten Werk “Ssissu w`ssimchu”, das sie ebenso mit wunderschönen lyrischen Melodien krönte wie den klangschönen, von komplexer Stimmführung im Chor geprägten Wechselgesang “Jimlauch”.

Helmut Klotz präsentierte sich als ausdrucksstarker und stimmgewaltiger Solist, etwa beim ruhigen “Ham`chabe esshaner” oder beim getragenen “W`schomru”, das er mit einer virtuosen Darbietung zu einem beeindruckenden Hörerlebnis werden ließ. Sehr gut harmonierten die Stimmen der beiden männlichen Solisten beim Abendgebet “Haschkiwenu” sowie bei dem majestätischen Werk “Naariz`cho”, mit dem Klotz, Haunstein und der präzise agierende, homogen klingende Chor den ersten Konzertteil zu einem volltöneneden, wuchtigen Abschluss führten.

Jiddische und hebräische Folklore in freier Bearbeitung stand nach der Pause auf dem Programm. Schon der Wechsel Ulrich Vogels von der Orgel ans Klavier kündete den Stimmungsumschwung an: Heitere, fröhliche, spritzige Lieder, von einem technisch äußerst versierten Pianisten schwungvoll untermalt, waren zu hören, wobei sich Rolf Haunstein und Marita Posselt als Solisten abwechselten.

Die hervorragenden Qualitäten des Chores wurden nochmals besonders deutlich bei zwei Stücken (“Her nor, du schejn Mejdele”, “Horra banechar”), die das Ensemble ohne solistische Unterstützung interpretierte. Das Publikum spendete für das außergewöhnliche Konzerterlebnis kräftigen Applaus; der Leipziger Synagogalchor bedankte sich mit einer A-capella-Zugabe, bevor er sich von seinem Publikum musikalisch verabschiedete – mit einem Lied des Friedens…

(Siegener Zeitung)

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