11. März 2002. “50 Jahre Woche der Brüderlichkeit”

Musik und hebräische Folklore in St. Marien

Herford. Im März 1952 eröffnete Bundespräsident Theodor Heuss die 1. Woche der Brüderlichkeit in der Bundesrepublik. Auch 50 Jahre später geht es unverändert um die gleiche Mahnung zur Selbstprüfung und Selbstbesinnung. “Abel, steh auf, damit es anders anfängt zwischen uns allen” – so zitierte Dr. Wolfgang Otto in der diesjährigen Herforder Veranstaltung aus einem Gedicht von Hilde Domin. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatte in St. Marien auf dem Stiftberg zu einem Konzert mit dem Leipziger Synagogalchor eingeladen.

Dieser Chor aus bester Leipziger Tradition sang unter dem Titel “Musik der Synagoge”. Die geistlichen Gesänge umfassten Bibel-Zitate, Gebete und Vertonungen von Psalmen; der zweite Teil brachte jiddische und hebräische Folklore, Volkslieder mitn einer Vielzahl von Themen.
Das “Tauras (Gottes Lehre labt die Seele) von Louis Lewandowski war eine besondere innige und ergreifende Musik, mit dem klangvollen Chor unter Helmut Klotz und dem kultivierten Alt der Norina Narewski. Marita Posselt (sopran) sang strahlend und mit großem Volumen “Wie schön sind deine Zelte Jakob”.
Die Folklore ist noch weitgehend jiddisch geprägt, also aus mittel- und osteuropäischen Quellen gespeist. “Lasst uns singen da und dort” war fröhlich und schwungvoll: “Hör nur, du schön Mädele” erzählt von einem Mädchen, das mit dem Geliebten zusammen sein will, auch wenn er ganz arm ist. Hebräisch war dann das bekannte “Hava nagila” (Kommt und lasst uns fröhlich sein), das hier mit einem rasanten Klavierpart versehen war.
Wenn man die Seele der Völker in ihren Lieder wiederfindet, wie es Herder beschrieb, dann sind die ursprünglichen Bedürfnisse der Menschen überall sehr ähnlich. Musik und Kunst haben zwar nie ausgereicht, um die leidvollen Beziehungen unter den Religionen zu verbessern, doch sie können den Grund legen für Verständniss und Sympathie.

Joachim Gradewald (Neue Westfälische Zeitung)

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